Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot

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Wenn ich Sibylle Bergs Literatur mit nur einem einzigen Adjektiv charakterisieren müsste, würde ich vielleicht krass wählen. Wenn ich drei zur Verfügung hätte, kämen noch zynisch und hässlich dazu. Der Zynismus, die Krassheit und die Hässlichkeit von Bergs 1997-er Debütroman Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot sind aber nicht passiv erlitten und erwecken auch kein Mitleid (einige Elemente aus Bergs Biographie könnten an so etwas denken lassen), sondern werden vielmehr aktiv als Lebensphilosophie zelebriert. Je krasser, desto besser, je zynischer, desto treffender, je hässlicher, desto mehr verkaufte Kopien. Die Inszenierung der Negativität lässt anscheinend die Kassen klingeln. Man schaue sich auch mal kurz auf Sibylle Bergs Webseite um. Geschmackloser geht’s kaum mehr. Das Werbevideo für den allerneuesten Roman ist, einschließlich potthässlicher, sich aus dem Boden erhebender phallusähnlicher Pflanze, perfekt durchgestylt. Ugliness sells. Wo alles inklusive Sex (und inklusive Autorin selbst) nur grottenhässlich ist, lebt es sich elendiglich schlecht und ist es besser den Abgang zu planen. Und tatsächlich kommen die zwei Handvoll Protagonisten des Romans aus der Schale ihres Autismus (bei den Frauen auch Fress- und Magersucht) nicht heraus und krepieren alle (bis auf Vera) auf höchst genüsslich und mit Elementen des Horrorromans beschriebene Art und Weise. Wenn jemand so viel Spaß am sadistischen Beschreiben des Ertrinkens, des Verbrennens, des Skalpierens, des Aufspießens bei Autounfällen hat, findet man sicher in den Handbüchern der Psychoanalyse das eine oder andere Kapitel dazu. Das Zielpublikums das Romans sind vermutlich die Teens und Twens. So erklärt sich die sehr burschikose und zum Teil auch ungrammatische Sprache. Negativ aufgefallen ist mir beim Roman auch eine an Rassismus grenzende Beschreibung anderer Länder (Italien, Spanien, Amerika, Marokko). Vielleicht darf man sich aber bei einer in Weimar geborenen und in der DDR sozialisierten Autorin auch nicht mehr interkulturelle Kompetenz erwarten.

Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot

 

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