Thomas Bernhard: Frost

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Thomas Bernard ist nicht der erste und wird auch nicht der letzte Autor sein, bei dem der simple Rückschluss vom Thema, das mich interessiert auf ein Buch, das mir gefällt, nicht funktioniert hat. Das war mir zum Beispiel in den letzten Jahren bei Herta Müllers Herztier oder Elfriede Jelineks In den Alpen passiert. Alles Autoren, die über jeden Zweifel erhaben und mit Preisen, Lobreden und Rezensionen vollgeschüttet worden sind, nur dass mir die Bücher dann nicht gefielen und ich nach kurzer Zeit deren Lektüren abbrach. Jetzt also Thomas Bernhards Erstlingsroman Frost (1963), bei dem ich mich bis Seite 100 gequält und dann angesichts weiteren 200 Seiten das Handtuch geworden habe. Und dabei hatte die Rezension von Michaela Schmitz bei mir eigentlich Interesse an Bernhards Buch geweckt. Es geht um die Auseinandersetzung zwischen Naturwissenschaft und Kunst, zwischen rationaler Vernunft (der Tagebuch führende Medizinstudent) und einem irrationalem Anachronismus, verkörpert im Kunstmaler Strauch. Durchaus interessante Themenstellungen. Auch für den radikalen Nihilismus Bernhards fühlte ich mich gewappnet. Strauch denkt und spricht seine Monologe endlos weiter, käut ohne Ende Wiederholtes wieder und wieder, ist gleichzeitig eine komische und tragische Gestalt (am Ende, als er verschwindet (Selbstmord? Unfall?), allerdings mehr Letzteres). Alles ist sinnentleert und frostig wie der Winter in Weng. Doch braucht man für die Darstellung solcher Thematiken wirklich dreihundert Seiten? Kann man das alles nicht auch in 50 oder 100 Seiten genauso überzeugend sagen? Ich habe irgendwann einfach die Geduld verloren. Es ist, als ob man einem schizophrenen Patienten zugehört hat, der gar nicht merkt, dass man längst das Zimmer verlassen hat und endlos weiterlabert.

Michaela Schmitz: Bernhards Weg zu seinem Meisterwerk „Frost“

Thomas Bernhard: Frost

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