Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit

benjamin

Walter Benjamins 1936 erschienener langer Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ galt jahrzehntelang (und gilt auch heute noch?)als Klassiker der modernen Soziologieforschung. Auf mich wirkt er dennoch dick angestaubt, bleibt er doch auffällig verankert in den ideologischen Auseinandersetzungen der dreißiger Jahre, die von rechtsextremistischen (faschistischen) und linksextremistischen (kommunistischen) Ideen charakterisiert waren. Das ist erst einmal Schnee von gestern und ein Exerzierfeld für Historiker. Benjamin, der politisch eindeutig Position zugunsten des Kommunismus bezog, ging es jedoch in seinem Aufsatz nicht in erster Linie um eine politisch-ideologische Diskussion, sondern um ästhetische Fragestellungen (die für ihn allerdings immer auch politische waren). Er war überzeugt, dass die damals noch relativ neue künstlerische Ausdrucksform des Films die bisher geltenden Regeln der Ästhetik revolutionieren würde. Während bisher in der Kunsttheorie ein elitäres Bewusstsein und Konzepte der Innerlichkeit, Konzentration und Versenkung den Ton angaben, kämpft sich jetzt eine neue cineastische Ästhetik immer mehr in den Vordergrund. Mit dem Film entsteht eine modernes, technologisches Medium der Kunst für die Massen, das auf (so wenig erhabene Faktoren wie) Zerstreuung und Assoziation setzt. Diese neue Kunst ist in der Meinung Benjamins immer auch eine politische Kunst, wie er schon im Vorwort des Aufsatzes sagt und erinnert damit an Positionen, wie sie Bertolt Brecht zur gleichen Zeit für ein revolutionäres Theater entwickelt hat.

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