In eigener Sache …

Nach sechs veröffentlichten Büchern, denen Anfang nächsten Jahres ein siebtes nachfolgen soll, kommt man kaum daran vorbei, sich Gedanken über den Sinn und Unsinn der bisherigen Veröffentlichungen zu machen und ein (zumindest vorläufiges) Resümee zu ziehen.

Als 2011 mein erstes Sachbuch über Bob Dylan fertiggeschrieben war, hatte ich keine Lust, mich auf das Eintüten des Manuskripts (was manche Verlage immer noch wollen) oder auf ein smartes Bulk-Mailing samt Pdf-Anhang an ausgewählte Verlage und Literaturagenturen einzulassen. Als Reaktion wäre da eh nichts anderes als das gestrenge Schweigen im Walde oder, im besten Fall, eine Handvoll höflich formulierter Standardablehnungsschreiben zu erwarten gewesen. Viel weniger beschämend und enttäuschend war da scheinbar der Gang zu einem der inzwischen zahlreichen Pseudo-Verlage, vor denen eigentlich überall gewarnt wird und die inzwischen auch in schwarzen Listen zirkulieren. Wahrscheinlich war meine Brautwahl ein bisschen vorschnell, grundsätzlich gibt es aber wenige substantielle Unterschiede beim Marktmodell. „Echte“ Schriftsteller bei „wirklichen“ Verlagen rümpfen da eh nur die Nase und sprechen von Eitelkeitsbuden. Man zahlt einen vierstelligen Betrag als „Druckkostenzuschuss“ und das Buch wird dann korrigiert, gesetzt, veröffentlicht und vertrieben. In meinem Fall hatte der Verleger sogar Interesse an Rockmusik und wollte mich als Sachbuchautor bekannt machen. Jedenfalls erklärte er sich bereit, weitere Bücher über Pop und Rock mit regulärem Verlagsvertrag und ohne Kosten für mich zu veröffentlichen. Es folgten von 2012 bis 2015 drei weitere Bücher über Leonard Cohen, Patti Smith und Rio Reiser. So weit, so gut. Eine Erfolgsgeschichte? Mitnichten und das aus verschiedenen Gründen. Beim zweiten Buch über Leonard Cohen wurden von beiden Seiten Fehler gemacht. Das Buch war von mir falsch konzipiert worden. Die Korrektorin war oberflächlich und schnallte nicht, dass Namen genannt und Persönlichkeitsrechte verletzt wurden. Es kam zur Androhung einer Unterlassungsklage. Das mit überzogenen Erwartungen publizierte Buch musste aus dem Handel genommen werden. Der Zorn züngelte aus allen Rachen. Es wurde dann noch eine Zeitlang versucht, den zerbrochenen Krug zu kitten und den Streit gütlich zu regeln, um die Zusammenarbeit zu retten, doch auch eine zweite Zahlung meinerseits als Beitrag zu den Rechtsanwaltskosten holte das Kind nicht mehr aus dem Brunnen. Der Kontakt zum Verlag brach ab. Ich bekam nie mehr Abrechnungen zu den (zugegeben wenigen) verkauften Büchern und auch keine genaueren Informationen zum Stand des Rechtsstreits. Im Gegenteil wurde mir damit gedroht, dass ich irgendwann einmal, auch nach vielen Jahren, einen Prozess in Italien zu erwarten hätte. Auweia. Da lieg ich doch längst im kühlen Grab. Vielleicht war die negative Entwicklung der Zusammenarbeit mit einem Pseudo-Verlag auch unvermeidlich. Das Korsett als Sachbuchautor für das Rockgeschichtsmuseum war mir schon lange zu eng geworden. Ich musste in den Verlagsverträgen die Rechte an meinen Büchern abtreten, was ich in Zukunft nicht mehr wollte. Ich wollte nach vier Büchern über Rockmusik etwas Anderes und Neues versuchen.

Was tun? Ich hatte einen Roman fertig und wieder einmal keinen Verleger dafür. Sollte ich meine glorreiche Karriere als Hobby-Schriftsteller beenden und mich einträglicheren Geschäften widmen? Ein Berliner Freund hatte eine Verlegerin auf einer Party kennengelernt, die sich für mein Buch interessierte. Beim Besuch in Lichtenrade stellte sich jedoch heraus, dass ich mir wieder einmal falsche Hoffnungen gemacht hatte und einem Pseudo-Verlag auf den Leim gegangen war. Wieder war von großen Auflagen die Rede, von Verlagsvertretern, die das Buch in den Buchhandlungen Berlins und Brandenburgs schnell bekannt machen würden und andere größenwahnsinnige Eitelkeitsbekundungen mehr. Diesmal war der vierstellige Betrag als „Druckkostenbeitrag“ sogar doppelt so hoch und zusammen mit dem zuvor privat angeleierten externen Lektorat in Klagenfurt, das der Roman brauchte, um ein zufriedenstellendes Niveau zu erreichen, kam ein Sümmchen zusammen, das wehtat. Was die Pseudo-Verlage an Korrektur anbieten, ist ein reines Korrektorat, das heißt, es werden bestenfalls Rechtschreibfehler korrigiert und vielleicht noch das ein oder andere Wort ersetzt, wenn es doppelt oder allzu falsch ist. Ein manchmal doch nötiges Lektorat, das intelligent und kreativ seziert und neu schreibt, findet in den Pseudo-Verlagen nicht statt. Da muss man dann selbst die richtigen Personen finden und bezahlen. Meine Hoffnung war allerdings immer noch, dass es sich um eine (heftige, aber dann doch sinnvolle) Anfangsinvestition handelte, weil dann, genauso wie beim ersten Pseudo-Verlag, ab dem zweiten Buch kostenfreie Verlagsverträge winkten. Doch Pustekuchen! Das zweite Buch beim zweiten Verlag war zwar billiger, aber weil sich am Prinzip des „Druckkostenzuschusses“ nichts Grundsätzliches geändert hatte, dann doch mein letztes dort.

Sechs Bücher also. Viel Zeit und Mühe, kein müder Euro Verdienst, zirka 12000 Euro Kosten, ein Minus-Geschäft und teures Hobby, das Prinzip Arbeit gegen Lohn auf den Kopf gestellt. Engagement für den Autor kann man sich bei den Pseudo-Verlagen keines erwarten, man wird völlig alleine gelassen mit seinen unverkauften Büchern, Lösungsvorschläge werden nicht gemacht, oftmals gibt es für Monate und sogar Jahre keine Kontaktaufnahme. Unter eine solche Art von Zusammenarbeit kann man nur noch einen Schlussstrich ziehen. Ich gehe mal davon aus, dass es auch andere Hobby-Schriftsteller gibt, die in meiner Lage sind. Doch wie machen es die hauptberuflichen Autoren. Wenn ich mir manche Webseite anschaue, ist es mir völlig schleierhaft, wie die vom Verdienst ihrer Bücher leben können, wer die Aufenthalte in den vielen Städten bezahlt, wo ständig Lesungen abgehalten werden und so weiter. Wer bekommt die Stipendien und Literaturpreise und warum? Was sind die Auswahlkriterien für die Aufnahme in das Programm eines Publikumsverlags? Weil die Profi-Autoren besser schreiben? Warum werden selbstverlegte Bücher gnadenlos gedisst und nie in den Literaturfeuilletons oder Radio- und Fernsehsendungen besprochen? Gibt es in Deutschland vielleicht so etwas wie eine Kulturlandschaft mit mafiösen Strukturen? Oder darf man so etwas einfach nicht sagen, sonst hat man auf immer und ewig verschissen? Diese und viele andere wären so meine Fragen.

Kopf hoch. Nun also ein siebtes Buch. Diesmal ein Lyrikband, was alles noch schwieriger macht. Auf die Suche nach einem Verlag werde ich mich nicht begeben, sondern das Manuskript bei Epubli als Printbook in kleiner Auflage und als E-Book in Auftrag geben. Da kostet der Misserfolg zumindest weniger und ich habe alles selbst unter Kontrolle.

 

2 Gedanken zu “In eigener Sache …

  1. Mit diesen Verlagen, die einen vierstelligen Betrag vom Autor haben wollen machen wir Buchhändler leider auch sehr schlechte Erfahrungen.
    Es ist nicht so, daß man kleine Verlage schneidet, aber das gesamte Geschäftsmodell zielt darauf ab, daß der Autor zahlt. Werbung wird nicht gemacht. In den wenigsten Fällen bekommen wir in der Buchhandlung überhaupt einen billigen Flyer… Der Verlag hat ja seinen Umsatz schon gemacht.
    Einmal war eine völlig verzweifelte Autorin eines solchen Verlages in der Buchhandlung. Mein Chef hat ihr ein bißchen erklärt, wie solche Verlage funktionieren. Es gibt ja Berichte, in denen Leute zum Spaß Nazireden und dergleichen hingeschickt haben, nur um eine Woche später eine positive Rückmeldung zu bekommen…
    Die Autorin hat darauf den Verlag zur Rede gestellt und der hat meinen Chef verklagt. Auch ein Literaturmagazin, daß kritisch darüber berichtet hat wurde verklagt.

    1. Wolfgang Haberl

      Danke für die Solidarität. Es gibt leider keine einfache Lösung für das Dilemma. Vielleicht gräbt ja das Self-Publishing den Pseudo-Verlagen langfristig das Wasser ab. Grüße aus Rom. Wolfgang Haberl

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