In eigener Sache …

Wolfgang 1987 Berlin

Eine Geschichte des Titels Niemand sagt was, darin ich einen jungen Provinzburschen aus behütetem Elternhaus darstelle, der mit einem wilden Gefühlsleben und sturer Intelligenz begabt, sich im Jahre 1988 im chaotischen fernen Kreuzberg in realitätsfremde Fantasien verliert, sinnlos dilettantischen Künstlerträumen nachhängt, ein Studium abbricht, seine Geldprobleme und überhaupt sein ganzes Leben nicht in den Griff bekommt und sich bindungsunfähig auf kurze Abenteuer mit zu ihm nicht passenden Frauen einlässt, bis er zuletzt durch eine schwere persönliche Krise und besonders eine einseitige Liebe zu einer feurigen Sizilianerin zerrüttet, sich seines Scheiterns bewusst wird, ein letztes Gespräch mit seiner Ex sucht, sich am Weihnachtstag um sechs Uhr morgens in Ostia nahe Rom die Pulsadern aufschneidet und sich von der Terrasse eines Strandrestaurants fünf Meter tief auf den Parkplatz hinunterwirft.

HABERL_Buch_umschlag-V2--AK03-

Presseinfo Haberl Niemand sagt was

Leseprobe Niemand sagt was

Billy Budd, Sailor

Herman_Melville_1860

Billy Budd, Sailor ist nicht nur ein Klassiker der amerikanischen Literatur des späten 19. Jahrhunderts, sondern eine der genialsten Erzählungen der gesamten Weltliteratur. Der Titanenkampf zwischen Gut (Vortoppmann Billy Budd) und Böse (Waffenmeister John Claggart alias Jemmy Legs) mit all seinen Ambivalenzen und Unauslotbarkeiten sondiert viel tiefer als das weit verbreitete psychologische Geschwafel zum Thema und wurde kaum anderswo so überzeugend und packend wie in Herman Melvilles Novella dargestellt. In der „wirklichen“ Welt, die uns Hermann Melville erzählt, siegt das Böse, doch in der Kunst verschafft sich die Unschuld Billy Budds ihr Recht. Großartig.

Tip: Nur bei sehr guten Sprachkenntnissen im englischen Original lesen!

Herman Melville: Billy Budd

Dino Buzzati – Die Tatarenwüste (Il deserto dei tartari)

Dino_buzzati

Man weiß ja, dass es mit den Klassikern ein Kreuz ist. Man muss sie in der Schule (und vielleicht auch an der Universität) lesen, man findet sie im Regelfall todlangweilig, man traut sich nicht, sie zu kritisieren, aber man liest sie in Zukunft nie mehr. Dino Buzzatis 1940 erschienener Roman Die Tatarenwüste (Il deserto die tartari) ist so ein Klassiker, nicht in Deutschland, wo das Buch wenige kennen, sondern natürlich in Italien, aber auch in anderen Ländern (Le Monde listet den Roman unter ihren 100 wichtigsten Büchern aller Zeiten). Die Geschichte um den Offizier Giovanni Drogo, der in einer surreal entlegenen Festung seinen Dienst verrichtet und sein ganzes Leben vergeblich auf den Angriff der feindlichen Tataren wartet, liest sich so zäh, dass ich nicht mehr als drei seiner dreißig Kapitel geschafft habe. Ich hatte beim Lesen ständig den Eindruck, dass die Handlung viel zu plump und überkonstruiert ist. Anscheinend bildet sie nur den Überbau für die zugrundeliegende existentialistische Weltanschauung Buzzatis. Ich wurde bei meiner Teillektüre auch nie den Eindruck los, dass bei den Themenstellungen wild bei anderen abgekupfert wurde, zum Beispiel bei Franz Kafkas Parabel Vor dem Gesetz oder bei seinem Roman Das Schloss (und bei gründlicherem Nachdenken sicher noch bei manch anderem Schriftsteller).

Dino Buzzati – Die Tatarenwüste
Dino Buzzati – Il deserto die tartari