Arthur Schopenhauer: Aphorismen zur Lebensweisheit

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Um gleich kein Blatt vor den Mund zu nehmen: Meine Erfahrungen mit der Lektüre philosophischer Schriften sind eine wahre Katastrophe. Nur eine einzige Ausnahme bestätigt die traurige Regel, dass mein Magen wohl ungeeignet ist, philosophische Schwerkost zu verdauen. Mit siebzehn stieß ich das erste Mal auf so Namen wie Friedrich Nietzsche oder die kritischen Theoretiker der Frankfurter Schule. Verstanden hab ich damals von denen (und anderen) zwischen ganz, ganz wenig und Nullkommanichts. Vier Semester Philosophiestudium machten Anfang der achtziger das Malheur nur noch schilmmer. Ich erinnere mich noch heute mit Schrecken an die Monadenlehre von Leibniz, an Kants Vorwort zur Kritik der reinen Vernunft, an Hegels Phänomenologie. Und so weiter natürlich. Das war nichts für meinen verhagelten Brummschädel aus der bayerischen Provinz. Doch dann, so um das Jahr 1987, riet mir jemand, Arthur Schopenhauer zu lesen. Arthur Schopenhauer? Ich machte mich sehr sehr sehr skeptisch ans Lesen und war … wie vom Blitz getroffen! Das zweibändige Buch (Die Welt als Wille und Vorstellung) war nicht nur lecker lesbar, sondern sprach mir direkt aus dem wirren Herzen. Nur wenige Male in meinem Leben habe ich so ein Gefühl bei der Lektüre eines Buchs gehabt. Arthur verstand die Dinge. Wolfgang verstand Arthur. Arthur und Wolfgang verstanden sich. Wie wunderbar. Die Chemie stimmte allerorten. Das war fast so etwas wie eine religiöse Erleuchtung. Und zumindest war es eine große Erleichterung nach so viel Lesefrust mit hehren, für mich unlesbaren Philosophen. Man kennt ja die Geschichte von den deutschen Auswanderern auf den verrußten Dampfschiffen, die die Bibel und Goethes Faust im Koffer mit sich schleppten. Könnte ich zehn Bücher ins Dschungelcamp 2016  bringen, wären Schopenhauers Welt als Wille und Vorstellung (frühe und späte Ausgabe von 1819 und 1859) und auch seine Aphorismen zur Lebensweisheit (1851) als hochkonzentrierte Essenz von Lebensweisheit vermutlich mit von der Partie. Eigentlich waren diese Parerga und Paralipomena nur als Beiwerk und Ergänzung zu Schopenhauers einzigem Hauptwerk gedacht. Böse formuliert, sind es die Brösel, die beim Festschmaus vom Tisch fielen, von ihm zusammengekehrt und dann als Frankfurter Allerlei in die Röhre geschoben. Heraus kam ein zugegeben nicht immer in allen Teilen schmackhaftes Werk (Kapitel IV Von dem, was einer vorstellt ist sehr langatmig und ließ mich die Lektüre fast abbrechen), aber die nachfolgenden Kapitel V und VI sind dann wieder so gut, dass man froh ist, die Durststrecke überstanden zu haben.
Hier ein paar wahllose Zitate aus Kapitel V und VI der Aphorismen zur Lebensweisheit:

Viel weniger irrt wer, mit zu finsterm Blicke, diese Welt als eine Art Hölle ansieht und demnach nur darauf bedacht ist, sich in derselben eine feuerfeste Stube zu verschaffen.

Wer im Getümmel der Geschäfte, oder Vergnügungen dahinlebt, ohne je seine Vergangenheit zu ruminieren, vielmehr nur immerfort sein Leben abhaspelt, dem geht die klare Besonnenheit verloren:

Ferner, je höher einer auf der Rangliste der Natur steht, desto einsamer steht er, und zwar wesentlich und unvermeidlich.

Noch kommt hinzu, daß was wirklichen Wert hat in der Welt nicht geachtet wird, und was geachtet wird keinen Wert hat.

… Astrologie, welche den Gang der großen Weltkörper auf das armselige Ich bezieht wie auch die Kometen am Himmel in Verbindung bringt mit den irdischen Händeln und Lumpereien.

Man lese meine Preisschrift über die sogenannte Freiheit des Willens und befreie sich vom Wahn.

… die Wilden fressen einander und die Zahmen betrügen einander, und das nennt man den Lauf der Welt.

Arthur Schopenhauer: Aphorismen zur Lebensweisheit

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