Rocko Schamoni

Schamoni

Rocko Schamoni: Dorfpunks (2004) und Sternstunden der Bedeutungslosigkeit (2007)

Bei Rocko Schamoni, eigentlich Tobias Albrecht, scheiden sich sicher die Geister. Viele Leserinnen und Leser werden vermutlich seine Romane gar nicht wirklich ernst nehmen und sie in die Schublade der Unterhaltungsliteratur stecken, wo sie dann ihre traurige Existenz zusammen mit Büchern von Dan Brown, Erika Leonard und Joanne Rowling fristen. Man kann aber auch gnädiger mit Schamonis Romanen umgehen. Das fällt leichter, wenn man ein Geburtsdatum um 1960/1965 hat und die Befindlichkeiten der Punk-Generation selbst kennen gelernt und geteilt hat. Schamonis zwei Romane, die eigentlich ein einziger sind, erzählen (vermutlich sehr autobiographisch) in Dorfpunks die Welt eines jugendlichen Ich-Erzählers aus der norddeutschen Provinz in den Jahren 1976 bis 1986: Schulabbruch, Töpferlehre, Langeweile, sexuelle Frustration, Punkmusik als Identitätsstifter. In Sternstunden der Bedeutungslosigkeit ist der Schauplatz nicht mehr Schmalenstedt (Lütjenburg) irgendwo im Bommerlunderland, sondern die Metropole Hamburg, wo sich ein verkrachter Kunststudent mit Namen Michael Sonntag und viel norddeutschem Mutterwitz durch sein chaotisches Leben aus Sex, Drogen, Rock’n’Roll und gelegentlicher Psychotherapie schlägt. Damit stehen Schamonis Romane unweigerlich in der Tradition der Dekadenzliteratur, die man eigentlich in Deutschland mit so hehren Namen wie den Gebrüdern Mann in Verbindung bringt, die aber in Amerika mit der Beat-Literatur und Charles Bukowski eine viel handfestere Variante entwickelt hat. Der geistige Übervater ist jedenfalls immer Arthur Schopenhauer und seine ausnahmslos pessimistische und negative Anschauung der schlechtesten aller nur möglichen Welten, wo nur das Böse regiert. Diese Welt , die das ist, was nicht sein sollte, gilt es zu verneinen und zu bekämpfen. Sagt Arthur Schopenhauer. Sein später Schüler Rocko Schamoni sagt das so:

Wie mein Berufsschullehrer zu mir sagte:
Herr Sonntag, was ist flüssiger als flüssig?
Ich: Keine Ahnung, was denn?
Er voller Freude: Sie, nämlich überflüssig, hahahahahahaha!

Absolut lesenswert, speziell für Südlichter wie mich, weil man auch noch seinen norddeutschen Fachwortschatz erweitern kann: Edding? Pulen? Is mir vollkommen wumpe? Angeben wie ein Sack Mücken? Zippeln?

Rocko Schamoni: Dorfpunks
Rocko Schamoni: Sternstunden der Bedeutungslosigkeit

 

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