Richard David Precht: Erkenne die Welt

Philosophische Texte im Original zu lesen ist oft eine sehr mühsame und frustrierende Angelegenheit: da werden mir selbst die Profis des Metiers, ob Philosophiestudenten oder Philosophiedozenten nur beistimmen können. Ganz gleich, ob es sich um Leibniz, Kant, Hegel, Fichte, Wittgenstein, Adorno oder Heidegger handelt (um nur ein paar Namen zu nennen): ihre Werke sind harte Nüsse, die kaum zu knacken sind. Oft beißt man sich schon nach wenigen Seiten so viele Zähne aus, dass man lieber schonendere Breikost in Form von möglichst verständlich geschriebenen Philosophiegeschichten vorzieht. Die Hoffnung ist dann, dass man mit deren Hilfe den geeigneten Nussknacker in die Hand bekommt, um später einmal doch die Originaltexte lesen zu können.

Eine solche Philosophiegeschichte ist die brandneue dreibändige Ausgabe des deutschen Starphilosophen Richard David Precht, der regelmäßig im Fernsehen seinen philosophischen Stammtisch anbietet. Ich befürchte, dass streng blickende Wissenschaftler Prechts Tun und Treiben nur belächeln und als minderwertige Populärphilosophie abtun. Nach der Lektüre des dicken ersten Bandes, der sich relativ flüssig lesen lässt, ist der Eindruck erst einmal gespalten. Die wirklich dicken Brocken (siehe die oben erwähnten Namen) kommen erst im zweiten und dritten Band. Der erste Band ist teilweise (die ersten mehr als 300 Seiten über die griechische Philosophie) sehr interessant geschrieben, fällt dann qualitativ (meiner Meinung nach) stark ab, so dass die römische und mittelalterliche Philosophiegeschichte sehr schlecht wegkommen.  Es ist zugegeben auch völlig unmöglich, dass ein einzelner Autor zu jedem der behandelten Personen und Fragestellungen profunde Sachkenntnisse bereitstellen kann.

Mal sehen, was der zweite Band bietet und ob er Lust darauf macht, den erst im Oktober 2019 erscheinenden dritten Band zu lesen.

 

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