Fack yu Göthe revisited

Ich gebe zum wiederholten Mal zu, nicht objektiv sein zu können oder zu wollen, wenn ich sage, dass mir generell die Goethe-Institute als Träger und Verbreiter deutscher Kultur auf die Nerven gehen. Ich halte es da mit Rolf Dieter Brinkmann und seiner Generation. Trotzdem gibt es natürlich mehr oder weniger misslungene Exemplare dieser Einrichtungen auf der Welt. Übel stößt mir auch heute noch das Goethe-Institut in Neapel auf, mit dem ich schulbedingt von 2006 bis 2014 Kontakt hatte. Um Gottes willen! Erst mal fragt man sich sicher, ob es wirklich nötig gewesen war, eine Italienerin an die Spitze eines Goethe-Instituts zu hieven, die nach dem fetten deutschen Tarifplan besoldet ist. Zwangsläufig musste der Dame viel Authentizität fehlen. Und nicht nur das. Neben dem gut bezahlten Fulltime-Job, fand sie erstaunlicherweise auch die Zeit, sich als Schriftstellerin zu versuchen. Schlau und irgendwie typisch italienisch. Brotjob am Morgen und Ruhm am Nachmittag. Als Direktorin des Goethe-Instituts war man automatisch im Netzwerk renommierter deutscher Verlage und konnte eher zweifelhafte Belletristik veröffentlichen (Reiseführer, Liebesromane etc.), die ihr wenig wohlgesinnte Geister als Trash und Schund, bestenfalls als U-Literatur abtun und ungelesen in die Tonne zum Recyceln donnern würden. Andy Warhol hatte mal wieder recht: In the future everyone will be world-famous for 15 minutes. Was mich darüber hinaus nervt, ist auch der Glamour, den sie zu lieben scheint: ein rauschendes Fest zum 50-jährigen Bestehen des Goethe-Instituts in Neapel, der Besuch des feisten Frank-Walter samt Gattin, des damalige Bürgermeisters aus der Generation Kopf unten und emsiger Leibwächter, unsere Direktorin in feiner Abendrobe … Mich nervt das alles gewaltig, und mit der deutschen Kultur, die ich mag, hat das nichts zu tun. Wenn man immer noch nicht kapiert hat, dass das Beste dieser deutschen Kultur nicht in ihren lauten und offiziellen Offenbarungen, sondern in ihren versteckten Nischen zu finden ist, dann ist einer/einem nicht mehr zu helfen. Halts Maul, Deutschland!

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