Ach Bernd Peter! Hörst du das Tatütata?

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Vom McLaren F1, gebaut in den Jahren von 1989 bis 1992, existieren heute, auch nach verschiedenen Unfällen mit Totalschaden, nur noch einige Dutzend Exemplare. Die Besitzer haben zum Teil berühmte Namen. Der Beatle George Harrison besaß bis zu seinem Tod einen davon, der dann von Eric Clapton übernommen wurde. Überhaupt scheinen Musiker von dem Supersportwagen angetan zu sein. Nick Mason, Schlagzeuger bei Pink Floyd und Missy Elliott, amerikanische Rapperin, haben einen in der Garage stehen. Hassanal Bolkiah, Seine Eminenz Der Durchlauchte Sultan von Brunei besitzt deren sogar drei. Etwas Kleingeld sollte man tatsächlich in der Geldbörse haben, bevor man ernsthaft über den Erwerb und Unterhalt eines solchen nicht dauerhaft spurgeführten Landfahrzeugs nachdenkt.  Unter einer Million Euro sind gebrauchte Modelle des Flitzers nicht zu finden. Jede große Inspektion (nach 10000 Kilometern oder 18 Monaten) kostet schlappe 50.000 Euro. Auch die Autosteuern und Kfz-Versicherungen sind kein Pappenstiel und übersteigen das Jahresgehalt von Otto Normalverbraucher und Lisa Nebenan.  Für das viele Geld bekommt man jedenfalls einen Sportflitzer vom feinsten.  Der Motorraum ist zur Wärmereflektierung mit Gold beschichtet und beherbergt einen Zwölf-Zylinder-Saugmotor von BMW mit 6 Litern Hubraum und mehr als 600 PS. Damit schafft der Wagen selbst in der abgespeckten Straßenversion eine Höchstgeschwindigkeit von fast 400 km/h und war lange Jahre der schnellste Serienwagen der Welt. Der unbezahlbare Preis des Wagens war auch eine Folge seiner hohen Produktionskosten mit einem Einblock-Fahrgestell aus Kohlenstofffaser und Leichtmetall-Aufhängungen aus Aluminium und Magnesium.  Der damalige Vorstandsvorsitzende von BMW Bernd Peter Pischetsrieder kam im Sommer 1995 in einem firmeneigenen McLaren F1 auf einer Landstraße in der Nähe des Chiemsees vom Weg ab und verursachte den Totalschaden des Millionenflitzers mit traditionellem Saugmotor. Im Dreisitzer saßen auch seine Ehefrau, die Platzwunden erlitt, und ein Freund, der sich den Arm brach. Pischetsrieder selbst kam mit Prellungen davon und kommentierte den Unfall mit den Worten „Ich kann mir das alles überhaupt nicht erklären“. Der Vorstand von BMW erklärte sich allerdings den peinlichen Vorfall sehr wohl und war stinksauer, weil Pischetsrieder keine Aussagen über die Geschwindigkeit zum Unfallzeitpunkt und überhaupt über die Umstände, die zum Totalschaden geführt hatten, machen wollte. Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen ihn wurde nach Zahlung von DM 18.000 an das SOS-Kinderdorf eingestellt. Peanuts für Mister BMW. Wegen der missglückten Übernahmen der Firmen Rover, MG und Landrover, die in der Folge mit Milliardenverlusten wieder abgestoßen wurden, musste Pischetsrieder Anfang 1999 BMW verlassen. 2002 wurde er Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns. Seit 2013 ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Versicherungsgesellschaft Munich Re.

© Wolfgang Haberl 2016

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