Die übliche deutsche Literaturmafia

Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich in diesem Weblog über mafiöse Strukturen der deutschen Kulturindustrie schreibe, von der die Literaturindustrie ein immer kleiner und unbedeutender werdender Teil ist. Doch die Wut, die bei mir hochkocht, wenn ich bestimmte Biografien von noch nicht einmal besonders bekannten Schriftstellern oder Schriftstellerinnen lese, ist so stark und unkontrollierbar, dass der Gentleman in mir verstummt. Namen nenne ich keine, weil es sich hier nicht um Einzelschicksale, sondern weit verbreitete, generelle Mechanismen handelt. Fast jedes Jahr bekommen diese Künstler oder Künstlerinnen einen zum Teil sehr hoch dotierten Literaturpreis, ein Reisestipendium, eine Aufnahme in die Akademie der Künste, was dann, angesichts der mageren Verkaufszahlen ihrer verkauften Bücher, so eine Art endlos wiederholtes, verstecktes Gehalt wird. Der Clemens-Brentano-Preis ist mit 10000 Euro dotiert, der Klopstock-Preis mit 12000 Euro, der Hermann-Hesse- und der Adalbert-von-Chamisso-Literaturpreis beide mit 15000 Euro, und so weiter und so fort. So kann man sich munter durchs Autorenleben schnorren und durch die Weltgeschichte reisen, während andere unbekannte Schriftsteller und Schriftstellerinnen kellnern und Taxi fahren. Ihr Deppen! Ihr kennt halt die richtigen Leute nicht! Eure Schuld! Und richtig schreiben könnt ihr auch nicht! Das beweisen unsere Literaturpreise! Doch nach welchen objektiven Kriterien werden diese Preise vergeben? Wer entscheidet, was wertvolle Literatur ist? Man schwimmt in trüben Gewässern. Es geht wie bei der Mafia zu. Man kennt sich (Verlage, Feuilleton, Kultursendungen). Transparenz gibt es keine, Qualitätskriterien auch nicht (was bei Kunst zugegeben schwierig ist). Man bedient den kulturellen Mainstream und bestimmt, was sich als Kultur durchsetzen darf. Und vor allem gibt es ein endloses Geklüngel und Geschachere, wer bei den großen Publikumsverlagen schreiben darf, wer die Literaturpreise absahnt, über wen in den Feuilletons positiv geschrieben wird, wer in die Kultursendungen im Radio und Fernsehen eingeladen wird. Es ist einfach zum Kotzen! Und wenn man dann noch liest, dass gewisse Personen mit einem Stipendium der Villa Aurora derweil im kalifornischen Los Angeles weilen und wallen, hüpft mir erst mal der Frosch in den Hals. Die Villa Aurora ist ein deutsches Kulturdenkmal des Exils, stark geprägt von der deutschsprachigen Exilkultur der nazistischen Bücherverbrennnung und von Schriftstellern wie Lion Feuchtwanger, Bertolt Brecht, Thomas und Heinrich Mann. Dieses Element der Verfolgung von Seiten der Nazis bei der Stipendienvergabe ist speziell spürbar in den „Feuchtwanger Fellowships“ für Autoren und Autorinnen, die in ihren Heimatländern zensiert werden. Was die letzten Preisträger mit solchen Verfolgungshintergründen zu tun haben sollen, bleibt mir völlig schleierhaft. Das sollte mir jemand mal bitte erklären. Wahrscheinlich ist es eh nur wichtig, sich aalglatt durch den korrupten deutschen Literaturbetrieb zu schlängeln. Es ist eine Schande, du Land der Dichter und Denker!

 

Roma, polvere di stelle

Paolo Berdinis leider nur auf Italienisch lesbares Buch „Roma, polvere di stelle“ (2018) beschreibt akribisch genau die desolate Situation der öffentlichen Finanzen der Hauptstadt Italiens, die seit Jahrzehnten nicht mehr in der Lage ist, ihre Zukunft auf einem europäischen Niveau zu projektieren. Er war für einige Monate in der Stadtregierung der jetzigen Bürgermeisterin Virginia Raggi und dort für das öffentliche Bauwesen zuständig. Doch die Hoffnungen der mit vielen Erwartungen angetretenen Stadtregierung der „5 Stelle“ zerplatzten schnell und führten letztendlich nur (nach Paolo Berdinis Meinung) die jahrzehntealten korrupten Strukturen der Links- und Rechtsregierungen (von Walter Veltroni, Gianni Alemanno und Ignazio Marino) weiter.

Paolo Berdini: Roma, polvere di stelle.