Byung-Chul Han: Die Austreibung des Anderen

„Die Austreibung des Anderen“ ist das dritte Buch des in Berlin lebenden Erfolgsautors Byung-Chul Han, das ich gelesen habe, und es ist von den dreien das schwächste, dünnste und mit 20 Euro auch ziemlich unverschämt teuerste Buch des Autors. Solche qualitativen Einbrüche sind bei einem Vielschreiber wie Han vermutlich unvermeidlich und ändern nichts an meinem grundsätzlich positiven Urteil, dass er der interessanteste neue Philosoph ist, den ich kenne. In den zwölf Kapiteln des Buchs, von denen nur die ersten drei wirklich interessant sind, führt Han seine vernichtende Kritik der digitalen Revolution, der Globalisierung und des Neoliberalismus weiter. In der „Hölle des Gleichen“ wächst kein Gras mehr. Eine unkontrollierbare Sucht nach Smartphones und Selfies produziert wild wuchernden Narzissmus, immer mehr Trash-Kultur und nur scheinbare Authentizität. In Wirklichkeit sind wir so einzigartig wie die Ratten in den Versuchslabors oder die Hamster in den Käfigen der Kinderzimmer. Ein Exzess an Kommunikation, Information, Produktion und Konsum macht uns alle krank. Interessant ist auch Hans Gedanke, dass die Gewalt der Globalisierung als Gegenströmungen einen neuen Nationalismus, neue faschistoide Rechtsparteien und grundsätzlich Terrorismus als Gegenreaktionen erzeugt.

Natürlich halten manche Han für einen Populärphilosophen und Scharlatan, etwa hier. Das ist bei so viel Erfolg und Kreativität auch unvermeidlich.

 

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