Welche Zukunft?

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Ein typisches italienisches Intellektuellenschicksal? Der jüngere Bruder meiner Frau ( fast 41 Jahre alt) hat Philosophie in Rom studiert und sogar einen Doktortitel erworben, in der Hoffnung an der Sapienza Karriere zu machen. Pustekuchen! Er war jahrelang mit Zeitverträgen und mies bezahlt in der Studentenberatung tätig und arbeitet jetzt seit ein paar Wochen als „operatore sociale“ in einer Kooperative außerhalb Roms, die sich um die Flüchtlingsbetreuung kümmert.  Von Montag bis Samstag 38 Stunden in der Woche in zwei Arbeitsschichten für € 1100 netto. Wieder ein Zeitarbeitsvertrag und, weil 2 Stunden fehlen, „Teilzeitarbeit“ (hier gibt es immer noch die 40-Stunden-Arbeitswoche), vermutlich deshalb weil er mit dieser Trickserei keine Möglichkeit hat, eine unbefristete Stelle irgenwann einmal  juristisch einzuklagen. Kilometerpauschalen gibt es hier in Italien eh keine, so dass ihm am Ende des Monats weniger als 1000 Euro übrig bleiben. Seine Frau ist Architektin und arbeitete jahrelang in fester Anstellung für ein Architekturbüro. Vor einem Jahr wurde sie entlassen und versucht jetzt mühsam und ohne viel Erfolg den steinigen Weg der Selbständigkeit. Bei 60 Prozent Jugendarbeitslosigkeit ist die Konkurrenz groß und gibt es immer irgendjemanden, der oder die es noch billiger machen.  Wieviel sie verdient, weiß ich nicht, aber vermutlich sind es ein paar Hundert Euro pro Monat. Kinder haben die beiden verständlicherweise nicht in die Welt gesetzt. Auch mit der Adoption eine Kindes, wovon jahrelang die Rede war, hat es nicht geklappt. Sie wohnen in Miete und zahlen in der Nähe von Punte Lungo (San Giovanni) 700 Euro kalt für 60 Quadratmeter. Eine Eigentumswohnung können sie nicht kaufen, weil sie zu wenig Geld haben und die Bank ihnen auch keinen Kredit geben würde.

Zum Leben zu wenig? Zum Sterben zu viel? Und diese Generation wählt jetzt in Massen 5 Stelle und Hardliner Alessandro Di Battista, der nach dem Wahlsieg einen Volksentscheid organisieren und aus dem Euro raus will. Prost Mahlzeit!

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