Ingeborg Bachmann Frankfurter Vorlesungen

Ingeborg Bachmann Frankfurter Vorlesungen

Die Frankfurter Vorlesungen, die Ingeborg Bachmann im Wintersemester 1959/1960 gehalten hat, gehören zu den wichtigsten theoretischen Texten nicht nur der Klagenfurter Schriftstellerin selbst, die damals auf dem Höhepunkt ihres literarischen Schaffens war, sondern der gesamten deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts und vielleicht noch mehr: sie steckt präzise die Positionen der literarischen Moderne der Weltliteratur ab. Aber es ist vor allem ihre Sprache, die süchtig macht. Kein Wort ist selbstverständlich, sondern immer persönlich und bewusst gewählt.
Dennoch sind die Positionen der Bachmann inzwischen mehr als ein halbes Jahrhundert alt und notwendigerweise auf die Literatur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezogen. Möglicherweise hat sich seitdem nichts Weltbewegendes mehr getan, doch die damalige Moderne ist inzwischen eine andere geworden, wie auch immer man sie nennen mag (post, hyper). Wie diese neue Post-Moderne eingegrenzt werden kann, ist alles andere als einfach. Die Literatur hat jedenfalls seit den Fünfzigern immer mehr an Bedeutung verloren (stark visuell geprägte, oft nicht-sprachliche Medien haben an Gewicht zugenommen: Fernsehen, Film, Video, Internet). Es gibt eine neue Art der Beliebigkeit auch in der Literatur, einen Verlust von Solidarität und Gemeinschaftsgefühl, eine Aufsplitterung der Literaturszene in viele Einzelgruppen und Individuen, die sich gegenseitig kaum mehr etwas zu sagen haben.

Ingeborg Bachmann – Frankfurter Vorlesungen

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