Helikopter-Robby

robert-lewandowski

Es ist schon immer wieder erstaunlich zu lesen, wieviel die großen Fußballstars verdienen, ohne dass große Empörung laut wird. Die Volksseelen auf der ganzen Welt kochen nicht hoch und über, wenn Zlatan Ibrahimovic 14,5 Millionen Euro (nach Steuern und ohne Prämien und Werbeeinnahmen) bei Paris St. Germain verdient. Viele Millionen im Jahr verdienen natürlich auch noch Dutzende anderer Fußballer, die meistens in den gut bezahlenden Ligen Europas und in den Vereinen spielen, die Aussichten haben, die Landesmeisterschaften und die Champions League zu gewinnen. Komisch eigentlich, dass in Zeiten langjähriger chronischer Wirtschaftskrisen und geopolitischer Verwerfungen ein paar dutzend Sportlern erlaubt wird, so fett Asche zu machen. Die Flüchtlinge ersaufen im Mittelmeer oder kriegen eine von Assads Fassbomben auf den Kopf, der zweite Minsker Vertrag ist voll für den Arsch, in Paris hat man mal wieder das übliche historische Abkommen vereinbart, um den Klimawandel zu stoppen und ich verwette den Schlüpfer meiner Schwiegermutter darauf, dass nächstes Jahr die Schadstoffemissionen weiter steigen, doch unsere kreuzfidelen Fußballstars kicken munter wie immer und machen Köpper in ihre Golddukaten. Jetzt wird natürlich jemand zynisch sagen, dass ethische und moralische Bedenken in Josef Blatter einen schlechten Schutzpatron haben und dass die Spieler eben so viel verdienen, weil der Markt bereit ist, so viel für sie zu bezahlen. Mit einem hohen Intelligenzquotienten auf der einen oder anderen Bühne hat ein solcher Kuhhandel jedenfalls nichts zu tun. Denn die hellsten Kerzen im Leuchter sind Fußballspieler im Regelfall nicht. Sonst würden sie wahrscheinlich auch nicht 90 Minuten lang einer Lederkugel auf dem Rasen hinterherrennen. In den Jahren, wenn andere arme Wichte die Schulbänke drücken und auf der Parkbank den aus der Stadtbibliothek ausgeliehenen superkomplizierten Roman lesen, trainiert man als Fußballgott eben stundenlang in der Muckibude. Mit Wissen, Kultur und Bildung ist dann bei unserem Superstar nicht viel los. Macht nix, er wird ja fürs Toreschießen oder Toreverhindern bezahlt. Wenn er nach dem Spiel ein Interview gibt, worin er Bukarest zur Hauptstadt Ungarns kürt, hört man eben weg und glaubt nicht an einen Flüchtigkeitsfehler. Robert Lewandowski, momentan neben Thomas Müller einer der zwei Bomber des FC Bayern München, besitzt eine abgelegene Villa im polnischen Stanclewo, das unter dem Namen Sternsee bis 1945 zu Ostpreußen gehörte. Eine Bäckerei gibt es erst im nächsten 30 Kilometer entfernten Ort. Autofahren bis dorthin ist natürlich zu anstrengend. Was also tun, wenn man morgens frische Brötchen auf dem Tisch will. Na klar! Man mietet sich einen Heli inklusive Pilot. Ein Air Taxi kostet gerade mal 5000 Euro pro Tag und landet schnell mal eben auf der grünen Wiese vor der Villa. Kurze Zeit später steigt Roberts attraktives Eheweib Anna mit ein paar Einkaufstüten und wenig schlechtem Gewissen beschwert wieder aus dem Bauch des fliegenden Wals. Bei einem Jahresgehalt des Angetrauten in zweistelliger Millionenhöhe sind 5000 Euro natürlich Peanuts. Ein polnisches Durchschnittsmonatsgehalt erreicht auf dem Land netto kaum 800 Euro. Helikopter-Robby hat also für seinen Appetit auf frische Brötchen ein halbes polnisches Jahresgehalt verjubelt.

© Wolfgang Haberl 2017

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