Friedrich Schiller

Über den deutschen Nationaldichter Friedrich Schiller spontan ein paar Zeilen zu schreiben, ist eigentlich ein Unding angesichts der Berge von Literatur über ihn, die es erst einmal zu besteigen gälte. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass der Relevanzverlust von Literatur selbst die gefeierten Nationalpoeten überall auf der Welt nicht verschont, erscheint es trotzdem unmöglich, ein paar schnelle Gedanken nach der Lektüre der Basisbiographie Friedrich Schillers (immerhin großmäulig mit dem Untertitel „Leben, Werk, Wirkung“) zu Papier zu bringen.

Was erst einmal bei der Lektüre auffällt, ist die enorme Distanz, die man als heutiger Lesender spürt. 250-300 Jahre können viele oder wenige sein, inhaltlich und formal lebt Schiller jedenfalls definitiv auf einem anderen, viele Lichtjahre entfernten Planeten, den zu erreichen man schon einen futuristischen Warp-Antrieb bräuchte.

Schillers Idealismus des „Schönen, Wahren, Guten“, seine enorme Belesenheit und Kultur in Philosophie, Geschichte, Medizin, die sein Werk durchziehen und die er auch selbst kritisch reflektiert hat (etwa in seinem Lehrgedicht „Die Worte des Wahns“ (1799)) wirkt heute naiv ( verstanden im heutigen Alltagsdeutsch und nicht auf die Verwendung in seinen theoretisch-philosophischen Schriften bezogen) und scheint in Zeiten der Post-Epidemie, Kriegen und Aufrüstung, Massenemigration und Rassismus, Klimakrise und all den anderen Desastern kaum mehr nachzuvollziehen. Auch die Überzeugung einer überlegenen Leitkultur in den Epen und Dramen des klassischen Griechenlands wirkt aus jetzigem Blickwinkel viel zu elitär und europazentrisch. Von Friedrich Schillers Männer- und Frauenbild mal ganz verlegen zu schweigen.

Und dann haben wir natürlich Bauchweh wegen seiner aulischen Sprache. Bestes klassisches Deutsch?  Diese Perfektion von Reim, Rhythmus und Lexik mag sicherlich auch ihre Faszination besitzen und zu aufwendigen Textanalysen von Metrum, Reim und Form anregen, sie entwickelt aber eine so starke Eigendynamik, dass die Form den Inhalt regelrecht plattmacht oder zumindest dessen Rezeption gefährdet und beschädigt.

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