
Wenn ein Buch wie Herfried Münklers „Welt im Aufruhr“ ganz oben in den Bestsellerlisten kraxelt, sind die Ansprüche des geneigten Lesers natürlich besonders hoch. Und wenn dann das Versprechen des Autors, nichts weniger als die globale politische Weltsituation zu erklären, nicht eingehalten wird, ist der Katzenjammer umso größer, hat man doch einen 500-Seiten-langen Schmöker vor sich, durch den ich mich bis auf Seite 366 gequält und dann beherzt und resigniert vor dem Kapitel „Machiavellis Dilemma“ abgebrochen habe. Das Buch ist einfach zu lang und langatmig. Vieles wiederholt sich. Meiner Meinung nach hätte es ihm nur gutgetan, es mindestens auf die Hälfte zurechtzustutzen.
Natürlich könnte es sein, dass Münkler recht hat, wenn er sein Modell der Pentarchie entwickelt (Amerika, China, EU, Russland, Indien) und diese Theorien, historisch weit ausholend, mit so großen Kriegstheoretikern wie Thukydides, Machiavelli, Clausewitz, Carl Schmitt etc. zu begründen versucht. Vor allem in Europas Geschichte scheinen solche flexiblen Fünfer-Konstellation (im Gegensatz zu starren dualen Gegensätzen) häufig vorgekommen zu sein und sich auch in der gegenwärtigen Machtstruktur der EU zu wiederholen (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen).
Trotzdem überzeugt dies alles letztendlich nicht. Analogien in der geschichtlichen Entwicklung können ins Nirwana laufen. Wer weiß, ob nicht auch heute noch letztendlich eine dialektische Machtstruktur die Welt definiert (USA und Satelliten auf der einen Seite, Russland und Satelliten auf der anderen Seite). Ob in Europa wirklich die 5 genannten Länder den Ton angeben, bleibt fraglich. Die wichtigen arabischen Staaten werden von Münkler überhaupt nicht erwähnt. Seine Argumentationen bleiben somit letztendlich sicher diskutierenswert, aber können keinen definitiven Erklärungsanspruch überzeugend geltend machen.
