Arthur Schopenhauer – Ganz ein Schlauer (2)

Ohne dass ich mich einen großen Schopenhauer-Experten schimpfen darf, sind auch für mich die zwei großen Quellen seines philosophischen Systems leicht auszumachen: Kant für seine Erkenntnistheorie (Vorstellung) und der Buddhismus für sein Konzept des „Dings an sich“ (Wille),

Der schwierige, langweilige und letztendlich unleserliche Immanuel Kant ist für Arthur Schopenhauer der vermutlich wichtigste seiner zahlreichen Lehrer und Einflüsse. Kant ist Anfang des 19. Jahrhunderts noch neu und viel diskutiert und hatte mit seiner transzendentalen Erkenntnistheorie den philosophischen Handschuh von innen nach außen gestülpt.  Nicht umsonst widmet Schopenhauer dem Königsberger intellektuellen Überflieger in seinem Hauptwerk einen fetten 150-seitigen Anhang, der fast ein eigenes Buch scheint. Hier nennt Schopenhauer die 3 Verdienste Kants:  den Unterschied zwischen Erscheinung (Vorstellung) und Ding an sich (Wille); die Bedeutung, die Kant der Ethik einräumt, sowie als dritte Leistung, die Trennung und Unabhängigkeit der philosophischen Erkenntnis von jeder Gängelei der Scholastik und herrschenden Landesreligion.

Wir erkennen die Dinge nicht, wie sie an sich sind, sondern nur, wie sie erscheinen. Dies ist des großen Kants große Lehre.

Schopenhauer ist also ein Kantianer und übernimmt seine Erkenntnistheorie, ändert sie aber kreativ ab (von Kants umständlichen 12 Kategorien bleibt bei Schopenhauer nur die Kausalität übrig) und ergänzt sie mit seiner Theorie des Dings an sich (Wille).

In der buddhistischen Philosophie (Veden, Upanishaden), mit der sich Schopenhauer vor 200 Jahren beschäftigte (!), findet er die Inspiration für das Fundament seines philosophischen Gebäudes, eine für den menschlichen Verstand nicht begreifbare Vitalkraft, die er „Wille“ nennt. Jenseits von Zeit und Raum, von Erscheinung und Vielheit (principium individuationis) versucht Schopenhauer mit diesem bahnbrechenden Konzept das Wesen der Welt zu beschreiben. Hier sind wir längst im Reich der Metaphysik, der Esoterik und Mystik, über das wir nichts wissen können und eigentlich schweigen müssen. Dass Schopenhauer genau diese Grauzone versucht hat zu beschreiben, ist wahrscheinlich sein größter Verdienst für die Philosophie- und Kulturgeschichte des Abendlandes. Dieser Enträtselungsversuch in den Abschnitten der „Die Welt als Wille und Vorstellung“, wo Schopenhauer über den „Willen“ spricht, gehört sicherlich zu den wichtigsten geistigen Errungenschaften der Moderne überhaupt.

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