Romantik

Romantik

Für alle stärker an der Romantik interessierten Leserinnen und Leser wird Detlef Kremers und Andreas Kilchers Standardwerk zur Romantik fast unweigerlich zur Pflichtlektüre. Gerade die den historischen und ideologischen Kontext aufhellenden Kapitel 1-5, die das erste Drittel des Buchs füllen, geben eine Unmenge Informationen zur Zeitgeschichte, Philosophie und Terminologie der wahrscheinlich aufregendsten Zeit der deutschen Literaturgeschichte zwischen 1770 und 1830. Leider ist die Qualität des Buchs in der Folge durchwachsener, wenn die Autoren konkrete Werke besprechen. Gegen die grundsätzlich sinnvolle Aufteilung und Auswahl der wichtigsten Werke der erzählenden Prosa (Kapitel 6), des Dramas (Kapitel 7) und am Ende der romantischen Lyrik (Kapitel 8) ist wenig einzuwenden. Leider kann jedoch ein quälend akademischer Schreibduktus mit ineinander verschachtelten Nebensätzen, endlosen Wortungetümen und ständig präsenten unverständlichen Fremdwörtern aus der Mottenkiste der Bildungssprache nur mühsam darüber hinwegtäuschen, dass das laute wissenschaftliche Brimborium des Öfteren eine inhaltliche Leere übertönen muss. Es ist natürlich grundsätzlich ein Ding der Unmöglichkeit, die besten romantischen Texte in all ihrer Irrationalität, Groteske und Skurrilität unters philologische Seziermesser zu legen und sie mit diesem klassischer Objektivität, Nachprüfbarkeit und reichlich Naivität verpflichteten Chirurgenarsenal zu zerschnippeln. Nur mit einem viel kreativeren, spontaneren und, vor allem, durch und durch unwissenschaftlichen Ansatz hätte man sich da neue interessante Erkenntnisse erwarten können.

Kremer, Detlef und Kilcher Andreas: Romantik

 

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